Die „Best Practice“-Projekte

 

„...projects that have been particularly well managed and can act as a source of inspiration for others.”

(Quelle: Europäische Kommission)

Wenn man im Bildungsbereich beim Thema EU-Förderung und EU-Projekte tätig ist, kommt sehr oft folgende Nachfrage seitens der Teilnehmenden: wir möchten Beispiele guter Praxis („good practice examples“) sehen, wir möchten erfahren, wie andere Träger ihre Projekte beantragt und durchgeführt haben und wie gute Projekte in der Tat aussehen. Dazu kommt die Tatsache, dass bei der Mehrheit der Antragsformulare explizit danach gefragt wird, ob man sich andere EU-geförderte Projekte angeschaut hat, um den eigenen „Unique Selling Point“ oder das Alleinstellungsmerkmal auszuarbeiten und zu definieren.                             

Aber wie genau sehen solche „Best Practice“- Projekte aus und woran identifiziert man sie? Zur Orientierung gibt es bestimmte Kriterien, die wir in diesem Artikel für Sie aufgelistet haben.

 

Informelle Kriterien

 

Die ersten informellen Kriterien kommen meistens aus den eigenen Erfahrungen einer Organisation und deren Mitarbeiter*innen. Diese sind schon seit langer im Bereich EU-Projekt etabliert und teilen ihre Kenntnisse gerne. Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Einrichtungen in ganz Europa haben sie ein Gefühl dafür entwickelt, besonders gute Anträge und Projekte anhand bestimmter Kriterien (Zielgruppe, Reichweite, Produkte, Wirkungen usw.) zu identifizieren. „Best Practice“- Projekte werden von diesen Organisationen ausgewählt und als solche vorgestellt.

 

Formelle Kriterien

 

Je nach Förderprogramme gibt es dazu auch formelle Kriterien, die es ermöglichen, dass Projekte als „Beispiele guter Praxis“ und/oder „Erfolgsgeschichten“ ausgewertet werden. Beim Förderprogramm Erasmus+ beispielsweise werden diese Kriterien entweder von den nationalen Agenturen oder von der Europäischen Kommission festgelegt und die Projekte dementsprechend ausgezeichnet.  

 

Folgende Kriterien sind bei der Auswahl von „Best Practice“- Projekten entscheidend:

 

  • Impact / Wirkung
  • Übertragbarkeit
  • Innovation
  • Nachhaltigkeit
  • Kommunikation
  • Finanzmanagement

 

Erfolgsgeschichten („success stories“) auf der anderen Seite werden von der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur ausgewählt. Sie sind ausgewählte Beispiele guter Praxis, die sich durch ihren Einfluss, ihren Beitrag zur Politikgestaltung, innovative Ergebnisse oder kreative Ansätze ausgezeichnet haben.

 

Zu finden sind diese „Beispiele guter Praxis“ und „Erfolgsgeschichten“ auf der Erasmus+ Project Results Plattform.

 

Quelle: Erasmus+ Project Results Plattform (https://ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/projects_en#search/project/keyword=&matchAllCountries=false)  

 

Webseiten, Broschüren und Plattformen

 

„Best Practice“ Projekte können oft auf den Webseiten der EU-Kommission, der nationalen Agenturen oder den nationalen Kontaktstellen konsultiert werden. Einige deutsche Bundesländer, wie z.B. Baden-Württemberg, bieten dazu eine Plattform (https://www.bw-profitiert.de/), die „Best Practice“ Projekte geordnet nach bestimmten Kriterien aufführt. Außerdem findet man in der Regel auch in Handbüchern, sogenannte Kompendien, geförderter Projekte oder in Broschüren der jeweiligen Förderprogramme mehr Information über die „Best Practice“ Projekte. Diese Kompendien oder Broschüre enthalten eine Auswahl an Projekten, die beispielweise besondere Wirkungen bei der Zielgruppe oder auf europäischer Ebene erreicht haben und zur Verbreitung für das allgemeine Publikum verwendet werden.

 

Warum sind „Best Practice“-Projekte so wichtig?

 

Für Antragsteller dienen sie zuallererst als Inspiration und Orientierung. Sich die Förderlandschaft und bereits geförderte Initiativen anzuschauen, ist bei der Antragstellung maßgeblich. Folgende Fragen helfen dabei die „Best-Practice“- Beispiele effizient zu nutzen und sie in die eigene Arbeit einfließen zu lassen

  • Was wurde besonders gut implementiert und erstellt?
  • Wie ist das Projekt bei der/n Zielgruppe(n) angekommen, welche Auswirkungen hat es bei ihnen ausgelöst?
  • Kann man auf diese „Best-Practice“- Projekte aufbauen, oder etwas Neues ergänzen?
  • Können Synergien zwischen diesen Projekten und dem eigenen Vorhaben entstehen? Wenn ja, wie?
  • Wie kann man sich von diesen geförderten Projekten abgrenzen? Was bieten sie an? Was bietet das eigene Projekt an?

 

 

Quelle: https://www.culturepartnership.eu/en/article/10-successful-ce-projects

 

Abschließend lässt sich sagen, dass Organisationen, die bereits „Best Practice“-Beispiele koordiniert und implementiert haben, ein guter Ruf vorauseilt, insbesondere bei den Fördermittelverwaltern (EU) und den Projektpartnern. Aus diesem Grund werden sie öfter in Projekte miteinbezogen und können ihre Netzwerke und Projektportfolios breiter aufstellen. Durch die Analyse und Auswertung von „Best-Practice-Projekten kann ein Wissensaustausch zwischen erfahren Projektantragstellern und Neulingen stattfinden, um so die Expertise an neue Generationen weiter zu geben.